Strict Standards: Declaration of JCacheControllerView::get() should be compatible with JCacheController::get($id, $group = NULL) in /hp/br/aa/md/www/womenmemory/libraries/joomla/cache/controller/view.php on line 0

22.5.12: Letzter Drehtag: Falls Road und mehr

IMAGE-8Ein hektischer letzter Tag: Zunächst haben wir einige Interviewpartnerinnen getroffen, die kürzlich ein Buch über ihre Zeit als republikanische Gefangene in Armagh veröffentlicht haben. Im Herbst diesen Jahres werden sie es auch in Berlin vorstellen.

Danach haben wir ein letztes Interview in einem Pub auf der Falls Road geführt, mit Joanna, der Sängerin, deren Konzerte wir in den letzten Tagen aufgenommen haben. Im Gegensatz zum Stadtzentrum hat sich die Falls Road (noch) einen eigenen Charakter bewahrt: Nirgendwo ist ein Starbucks zu sehen, dafür dominieren viele kleine Familienbetriebe. Die Solidarität für  Marian Price ist sehr stark. Sogar Murals mit Motiven aus den 1970er und 80er Jahren wurden mit Appellen für ihre Freilassung ergänzt. Die "Troubles" haben auf beiden Seiten über Jahrzehnte ein sehr starkes Gemeinschaftegefühl entstehen lassen. Wenn Belfast je eine "ganz normale" europäische Stadt werden sollte, wird dieses Klima der Verantwortung füreinander  vermutlich verschwinden - ein ernüchternder Gedanke.

 

Morgen fliegen wir (leider schon) zurück nach Berlin: Wir haben die letzten Szenen im Kasten. Goodbye, Belfast!!! Nächstes Mal kommen wir mit dem fertigen Film zurück...

 

Tomorrow, we will have to head back to Berlin: We now have shot the last missing scenes.  Goodbye, Belfast!!! We will come back with the finished film... 

 

 

21.5.12: Das "neue Belfast"

IMAGE-4IMAGE-2Von dem Konzert gestern konnten wir tatsächlich tolle Aufnahmen für unseren Film machen.

Heute war ein Tagesdreh im Belfaster Stadtzentrum an der Reihe. Dort erinnert 2012 fast nichts mehr an die „Troubles”. Es scheint, als wolle Belfast die eigene Geschichte verleugnen, als ob die „Troubles“ heute einfach vergessen werden könnten. In einer Stadt, in der die Mehrheit der Bürger von der jahrzehntelangen Gewalt traumatisiert ist, lässt sich die Erinnerung kaum durch „Primark und „Topshop“ verdrängen.  Und was ist das Ergebnis? Ein Stadtzentrum, das wie Millionen anderer Konsumtempel auf dem Planeten aussieht...

Zudem haben wir Belfasts Touristenattraktion Nummer eins, das neueröffnete Titanic-Museum gefilmt. Trotz positiver Presseberichte haben wir nicht eine_n Belfaster_in getroffen, der tatsächlich stolz auf das Titanic-Museum ist. Allgemein scheint das Empfinden vorzuherrschen, das es geschmacklos ist, (indirekt) den Tod von 1500 Passagieren zu feiern. Zudem war es durch die katastrophalen Arbeitsbedingung im Hafen lebensgefährlich, in Belfast Schiffe zu bauen. Wahrscheinlich hat der Schiffbau sogar weit mehr Belfaster Hafenarbeiter getötet, als Pssagiere beim Untergang der Titanic starben.

20.5.12: Konzert, zweiter Versuch

Das Konzert gestern in Ardoyne war nicht ganz, was wir erwartet hatten. Wunderbare Musik, tolle Sängerinnen - und ein total betrunkenes, sehr glückliches und SEHR lautes Publikum, nachdem Chelsea gerade die Champions League gewonnen hatte. Heute versuchen wir, in einem anderen Pub ein Konzert der derselben Sängerin aufzunehmen und sind guter Hoffnung.

19.5.12: Ein Orange Order Marsch

blog4blog6Heute haben wir einen Orange Order Marsch gefilmt. Offiziell sollte der an den unionistischen Widerstand gegen die Home Rule 1912 erinnern. (Eben diese "Home Rule" führte schließlich zur Teilung Irlands.) Die Veranstaltung wurde sehr sorgfältig mit verschiedenen teilnehmenden Gruppen geplant, „um sicherzustellen, dass ihre Präsens so wenig wie möglich aneckt", wie der Belfast Telegraph schreibt. Unruhen gab es tatsächlich nicht.


Von einem feministischen Standpunkt: Ein absolut nicht zeitgemäßes Spektakel, eine rein männerdominierte Machtdemonstration.  Wir haben Hunderte im Militär-Stil gekleidete Männer und sehr, sehr wenige Frauen beim Marschieren gefilmt. Eine der wenigen Ausnahmen war "Little Miss Sunshine" links. Natürlich soll die Parade offiziell der 100 Jahre zurückliegenden Geschichte gedenken, und damals waren wenige Frauen im bewaffneten Kampf. Aber es sind Gruppen wie "Loyalist Ardoyne“ mitmarschiert – die sich erst 1972 auf der Höhe des Konflikts gründeten.

Persönlich: Mit schwerem Equipment und zu Marschmusik sieben Kilometer neben der schnellen Parade herzulaufen (und und das ohne Frühstück!) fühlte sich eher an wie die Grundausbildung beim Militär als wie feministische Filmarbeit. Immerhin hatten wir einen Cappuccino vor dem Start. Ich vermute, die Rekruten kriegen nicht mal den...

Heute Abend werden wir ein Konzert in einer republikanischen Bar im Belfaster Viertel Ardoyne filmen.

18.5.12 Wut in West-Belfast

320px-Marian_Price_graffitiUnser zweiter Drehtag in West Belfast: Die republikanischen Frauen, die wir getroffen haben, sehen weit pessimistischer in die Zukunft als die Loyalistinnen, und das aus gutem Grund.

Zum einen fehlt das Geld, das für den gigantischen Titanic theme park mit vollen Händen ausgegeben wurde, nun an allen Enden im wirtschaftlich immer noch desolaten Belfast. Das soziale Elend könnte zu neuen Unruhen führen, vermuten die Frauen. Und zudem trägt zu einer Stimmung voller Angst und Wut bei, dass Marian Price immer noch im Gefängnis sitzt.

Price hatte wie viele Aktive im Konflikt mit dem Karfreitagabkommen Amnestie gewährt bekommen. Diese wurde auf Grund neuer Beweise jetzt widerrufen. Es ist das erste Mal, dass der  Staatssekretär Owen Paterson ein solches Vorgehen angeordnet hat - aber könnte nicht das letzte Mal beiben. Price’ Verhaftung machte  Schlagzeilen. Wie unsere Interview-Partnerinnen fühlen sich viele Aktive betrogen - und bedroht, denn sie könnten die nächsten auf Paterson’s Liste sein. Der Staatssekretär in Nordirland wird nicht gewählt, sondern von der britischen Regentin bestimmt. Dieses undemokratische Verfahren macht ihn in jedem Fall zu einem der unbeliebtesten Politiker der Provinz.

 

Login Form

Search